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Scene 1
Das
Theater is ein Palmenwald, alle Bäume sind silberartig,
die Blätter von Gold, 18 Sitze von Blättern.
Auf einem jeden
Sitze steht eine Pyramide und ein großes,
schwarzes Horn mit
Gold gefaßt. In der Mitte die größte
Pyramide, auch
dir größten Bäume.
(Sarastro
nebst anderen Priestern kommen in feierlichen
Schritten, jeder mit einem Palmenzweig in der Hand.
Ein Marsch mit
Blasinstrumenten begleitet den Zug.)
9.
Marsch der Priester
Sarastro
(nach einer Pause):
Ihr, in dem Weisheitstempel eingeweihten
Diener der großen Götter Osiris
und Isis! Mit
reiner Seele erklär' ich euch, daß
unsre heutige
Versammlung eine der wichtigsten unsrer Zeit
ist. Tamino, ein
Königssohn, will ins Heiligtum des größten
Lichtes
blicken. Diesen Tugendhaften zu bewachten,
ihm freundschaftlich die
Hand zu bieten, sei heute eine unsrer wichtigsten
Pflichten.
Erster
Priester (steht auf):
Er besitzt Tugend?
Sarastro:
Tugend!
Zweiter
Priester:
Auch Verschwiegenheit?
Sarastro:
Verschwiegenheit!
Dritter
Priester:
Ist wohltätig?
Sarastro:
Wohltätig! Haltet ihr ihn für würdig,
so folgt meinem
Beispiele.
(Sie blasen dreimal in die Hörner.)
Gerührt über die Einigkeit eurer
Herzen, dankt Sarastro
euch im Namen der Menschheit. Mag immer das
Vorurteil seinen Tadel
über uns Eingeweihte auslassen! Jedoch,
das böse Vorurteil
soll schwinden; und es wird schwinden, sobald
Tamino selbst die
Größe unserer schweren Kunst besitzen
wird. Pamina haben
die Götter dem holden Jüngling bestimmt;
dies ist der Grund,
warum ich sie der stolzen Mutter entriß.
Das Weib dünkt
sich groß zu sein; hofft durch Blendwerk
und Aberglauben das
Volk zu berücken und unsern festen Tempelblau
zu
zerstören. Allein, das soll sie nicht.
Tamino, der holde
Jüngling, soll ihn mit uns befestigen
und als Eingeweihter der
Tugend Lohn, dem Laster aber Strafe sein.
(Der
dreimalige Akkord in den Hörnern wird von allen
wiederholt.)
Sprecher:
Großer Sarastro, wird Tamino auch die
harten Prüfungen,
die seiner warten, bekämpfen? - Verzeih,
daß ich so frei
bin, dir meinen Zweifel zu eröffnen!
Mich bangt es um den
Jüngling - Er ist Prinz!
Sarastro:
Noch mehr! Er ist Mensch!
Sprecher:
Wenn es nur aber in seiner frühen Jugend
leblos erblaßte?
Sarastro:
Dann ist er Osiris und Isis gegeben und wird
der Götter Freuden
früher fühlen als wir.
(Der dreimalige Akkord wird wiederholt)
Man führe Tamino mit seinem Reisegefährten
in den Vorhof
des Tempels ein.
10.
Arie mit Chor
Sarastro:
O Isis und Osiris, schenket
Der Weisheit Geist dem neuen Paarl
Die ihr der Wand'rer Schritte lenket.
Stärkt mit Geduld sie in Gefahr.
Chor:
Stärkt mit Geduld sie in Gefahr!
Sarastro:
Laßt sie der Prüfung Früchte
sehen;
Doch sollten sie zu Grabe gehen,
So lohnt der Tugend kühnen Lauf,
Nehmt sie in euren Wohnsitz auf.
Chor:
Nehmt sie in euren Wohnsitz auf.
(Sarastro
geht voraus, dann alle ihm nach - ab.)
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Scene
2
Nacht.
Der Donner rollt von weitem. Das Theater verwandelt sich in
einen kurzen Vorhof des Tempels, wo man Reste von
eingefallenen
Säulen und Pyramiden sieht, nebst einigen Dornbüschen.
An
beiden Seiten stehen praktikable hohe, altägyptische
Türen,
welche mehr Seitengebäude vorstellen.
(Tamino
und Papageno werden vom Sprecher und dem andern
Priester hereingeführt. Die Priester lösen
ihnen die
Säcke ab und entfernen sich damit.)
Dialog
Tamino:
Eine schreckliche Nacht! - Papageno, bist
du noch bei mir?
Papageno:
Ja, freilich!
Tamino:
Wo denkst du, dass wir uns nun befinden?
Papageno:
Wo? Ja, wenn's nicht so finster wär,
wollt' ich
dir das schon sagen, aber so...
Oh!
(Donnerschlag.)
O weh!
Tamino:
Was ist's?
Papageno:
Mir wird nicht wohl bei der Sache! Ich glaube,
ich bekomme ein
kleines Fieber.
Tamino:
Pfui, Papageno! Sei ein Mann!
Papageno:
Aber ich wollt', ich wär ein Mädchen!
(Ein sehr starker Donnerschlag.)
O! o! o! Das ist mein letzter Augenblick!
(Der
Sprecher und der Zweite Priester erscheinen mit
Fackeln.)
Sprecher:
Ihr Fremdlinge, was sucht oder fordert ihr
von uns? Was treibt euch
an, in unsere Mauern zu dringen?
Tamino:
Freundschaft und Liebe.
Sprecher:
Bist du bereit, sie mit deinem Leben zu erkämpfen?
Tamino:
Ja!
Sprecher:
Prinz, noch ist's Zeit zu weichen - einen
Schritt weiter, und es ist
zu spät.
Tamino:
Weisheitslehre sei mein Sieg; Pamina, das
holde Mädchen, mein
Lohn!
Sprecher:
Du unterziehst dich jeder Prüfung dich?
Tamino:
Jeder!
Sprecher:
Reiche deine Hand mir!
(Sie
reichen sich die Hände)
Zweiter
Priester (zu Papageno):
Willst auch du dir Weisheitsliebe erkämpfen?
Papageno:
Kämpfen ist meine Sache nicht. Ich verlang
ja im Grunde auch gar
keine Weisheit. Ich bin so ein Naturmensch,
der sich mit Schlaf,
Speise und Trank zufriedengibt. Und wenn es
einmal sein könnte,
daß ich mir ein hübsches Weibchen
fange...
Zweiter
Priester:
Die wirst du nie erhalten, wenn du dich nicht
unseren Prüfungen
unterziehst.
Papageno:
Und worin bestehen diese Prüfungen?
Zweiter
Priester:
Dich allen unseren Gesetzen zu unterwerfen,
selbst den Tod nicht zu
scheuen.
Papageno:
Ich bleibe ledig!
Zweiter
Priester:
Aber wenn du dir ein tugenhaftes, schönes
Mädchen erwerben
könntest?
Papageno:
Ich bleibe ledig!
Zweiter
Priester:
Wenn nun aber Sarastro dir ein Mädchen
aufbewahrt hätte,
das an Farbe und Kleidung dir ganz gleich
wäre?
Papageno:
Mir ganz gleich? Ist sie jung?
Zweiter
Priester:
Jung und schön!
Papageno:
Und heißt?
Zweiter
Priester:
Papagena.
Papageno:
Wie? Papa-
Zweiter
Priester:
Papagena.
Papageno:
Papagen? - Haha, die möcht ich aus bloßer
Neugierde
schon sehen.
Zweiter
Priester:
Sehen kannst du sie!
Papageno:
Aber wenn ich sie gesehen habe, hernach muß
ich sterben?
Zweiter
Priester:
Hmmmmmm...
(Macht eine zweideutige Pantomime.)
Papageno:
- Ich bleibe ledig!
Zweiter
Priester:
Sehen kannst du sie, aber bis zur verlaufenen
Zeit kein Wort mit ihr
sprechen; wird dein Geist so viel Standhaftigkeit
besitzen, deine
Zunge in Schranken zu halten?
Papageno:
O ja!
Zweiter
Priester:
Deine Hand! Du sollst sie sehen.
Sprecher
(zu Tamino):
Auch dir, Prinz, legen die Götter ein
heilsames Stillschweigen
auf; ohne dieses seid ihr beide verloren.
Du wirst Pamina sehen, aber
nie sie sprechen dürfen; dies ist der
Anfang eurer
Prüfungszeit.
11.
Duett
Beide
Priester:
Bewahret euch vor Weibertücken:
Dies ist des Bundes erste Pflicht.
Manch weiser Mann ließ sich berücken,
Er fehlte und versah sich's nicht.
Verlassen sah er sich am Ende,
Vergolten seine Treu' mit Hohn.
Vergebens rang er seine Hände,
Tod und Verzweiflung war sein Lohn.
(Beide
Priester ab. Plötzlich ist es dunkel.)
Dialog
Papageno:
He, Lichter her! Lichter her! - Das ist doch
wunderlich, so oft einen
die Herrn verlassen, sieht man mit offenen
Augen nichts.
Tamino:
Ertrag es mit Geduld, und denke, es ist der
Götter Wille.
(Die
Drei Damen kommen aus der Versenkung.)
12.
Quintett
Drei
Damen:
Wie, wie, wie?
Ihr an diesem Schreckensort?
Nie, nie, nie
Kommt ihr wieder glücklich fort!
Tamino, dir ist Tod geschworen!
Du, Papageno, bist verloren!
Papageno:
Nein, nein, das wär' zu viel.
Tamino:
Papageno, schweige still!
Willst du dein Gelübde brechen,
Nicht mit Weibern hier zu sprechen?
Papageno:
Du hörst ja, wir sind beide hin.
Tamino:
Stille, sag ich, schweige still!
Papageno:
Immer still, und immer still!
Drei
Damen:
Ganz nah' ist euch die Königin!
Sie drang im Tempel heimlich ein.
Papageno:
Wie? Was? Sie soll im Tempel sein?
Tamino:
Stille, sag' ich, schweige still!
Wirst du immer so vermessen
Deiner Eidespflicht vergessen?
Drei
Damen:
Tamino, hör'! Du bist verloren!
Gedenke an die Königin!
Man zischelt viel sich in die Ohren
Von dieser Priester falschem Sinn.
Tamino
(für sich):
Ein Weiser prüft und achtet nicht,
Was der gemeine Pöbel spricht.
Drei
Damen:
Man zischelt viel sich in die Ohren
Von dieser Priester falschem Sinn.
Man sagt, wer ihrem Bunde schwört,
Der fährt zur Höll' mit Haut und
Haar.
Papageno:
Das wär', beim Teufel, unerhört!
Sag' an, Tamino, ist das wahr?
Tamino:
Geschwätz, von Weibern nachgesagt,
Von Heuchlern aber ausgedacht.
Papageno:
Doch sagt es auch die Königin.
Tamino:
Sie ist ein Weib, hat Weibersinn.
Sei still, mein Wort sei dir genug:
Denk' deiner Pflicht und handle klug.
Drei
Damen (zu Tamino):
Warum bist du mit uns so spröde?
(Tamino deutet bescheiden, daß er nicht sprechen
darf.)
Auch Papageno schweigt - so rede!
Papageno:
Ich möchte gerne - woll...
Tamino:
Still!
Papageno:
Ihr seht, daß ich nicht kann das Plaudern
lassen,
Ist wahrlich eine Schand' für mich!
Tamino:
Daß du nicht kannst das Plaudern lassen,
Ist wahrlich eine Schand' für dich!
Alle
fünf:
Wir/Sie müßen sie/uns mit Scham
verlassen,
Es plaudert keiner sicherlich.
Von festem Geiste ist ein Mann,
Er denket, was er sprechen kann.
(Die
Drei Damen wollen gehen, die Eingeweihten rufen von
innen.)
Priester:
Entweiht ist die heilige Schwelle!
Hinab mit den Weibern zur Hölle!
(Ein
schrecklicher Akkord mit allen Instrumenten, Donner, Blitz und
Schlag, zugleich zwei starke Donner.)
Drei
Damen:
O weh! O weh! O weh!
(Sie
stürzen in die Versenkung.)
Papageno
(fällt vor Schrecken zu Boden):
O weh, o weh, o weh!
(Der
Sprecher und Priester treten mit Fackelnb
ein.)
Dialog
Sprecher:
Jüngling! Dein standhaft männliches
Betragen hat
gesiegt. Wir wollen also mit reinem Herzen
unsere Wanderschaft
weiter fortsetzen.
(Er gibt ihm den Sack um.)
So! Nun komm!
(Er geht mit Tamino ab.)
Zweiter
Priester:
Was seh ich, Freund! Stehe auf! Wie ist dir?
Papageno:
Ich lieg' in einer Ohnmacht!
Zweiter
Priester:
Auf! Sammle dich, und sei ein Mann!
Papageno
(steht auf):
Aber sagt mir nur, meine lieben Herren, warum
muß ich denn alle
diese Qualen und Schrecken empfinden? Wenn
mir ja die Götter
eine Papagena bestimmten, warum denn mit so
viel Gefahren sie
erringen?
Zweiter
Priester:
Diese neugierige Frage mag deine Vernunfh
dir beantworten. Komm!
Meine Pflicht ist allein, dich weiterzuführen.
(Er gibt ihm den Sack um.)
Papageno:
Bei so einer ewigen Wanderschaft, da möcht'
einem wohl die Liebe
auf immer vergehen.
(Der Zweiter Priester geht mit ihm ab.)
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Scene 3
Das
Theater verwandelt sich in einen angenehmen Garten; Bäume,
die nach Art eines Hufeisens gesetzt sind; in der
Mitte steht eine
Laube von Blumen und Rosen, worin Pamina schläft.
Der Mond
beleuchtet ihr Gesicht. Ganz vor steht eine Rasenbank.
(Monostatos
kommt, setzt sich nach einer Pause.)
Monostatos:
Ha, da find' ich ja die spröde Schöne!
Welcher
Mensch würde bei so einem Anblick kalt
und unempfindlich
bleiben? Das Feuer, das in mir glimmt, wird
mich noch
verzehren! Wenn ich wüßte - daß
ich so ganz allein
und unbelauscht wäre - ich wagte es noch
einmal.
(Er macht sich Wind mit beiden Händen.)
Das Mädchen wird noch um meinen Verstand
mich bringen.
(Er sieht sich allenthalben um.)
Es ist doch eine verdammte närrische
Sache um die Liebe! Ein
Küßchen, dächte ich, ließe
sich entschuldigen.
13.
Arie
Monostatos:
Alles fühlt der Liebe Freuden,
Schnäbelt, tändelt, herzt und küßt;
Und ich sollt' die Liebe meiden,
Weil ein Schwarzer häßlich ist!
Ist mir denn kein Herz gegeben?
Bin ich nicht von Fleisch und Blut?
Immer ohne Weibchen leben,
Wäre wahrlich Höllenglut!
Drum
so will ich, weil ich lebe,
Schnäbeln, küssen, zärtlich
sein!
Lieber guter Mond, vergebe,
Eine Weiße nahm mich ein.
Weiß ist schön! Ich muß sie
küssen;
Mond, verstecke dich dazu!
Sollt' es dich zu sehr verdrießen,
O so mach' die Augen zu!
(Er schleicht langsam und leise hin. Die Königin
der
Nacht kommt unter Donner aus der mittleren Versenkung,
und
so, daß sie gerade vor Pamina zu stehen kommt.)
Dialog
Königin:
Zurücke!
Pamina
(erwacht):
Ihr Götter!
Monostatos
(prallt zurück):
O weh! Das ist - die Göttin der Nacht!
(steht ganz still)
Pamina:
Mutter!
(Sie fällt ihr in die Arme)
Monostatos:
Mutter? Hm, das muß man von weitem belauschen.
(Er schleicht ab.)
Königin:
Wo ist der Jüngling, den ich an dich
sandte?
Pamina:
Er hat sich den Eingeweihten gewidmet.
Königin:
Unglückliche Tochter, nun bist du auf
ewig mir entrissen.
Pamina:
Entrissen? O fliehen wir, liebe Mutter! Unter
deinem Schutz trotz'
ich jeder Gefahr.
Königin:
Schutz? Liebes Kind, deine Mutter kann dich
nicht mehr
schützen. Mit deines Vaters Tod ging
meine Macht zu
Grabe. Übergab freiwillig den siebenfachen
Sonnenkreis den
Eingeweihten; diesen mächtigen Sonnenkreis
trägt Sarastro
auf seiner Brust.
(zieht einen Dolch hervor)
Siehst du hier diesen Stahl? Er ist für
Sarastro geschliffen.
Du wirst ihn töten und den mächtigen
Sonnenkreis mir
überliefern.
(Sie dringt ihr den Dolch auf.)
Pamina:
Aber, liebste Mutter! -
Königin:
Kein Wort!
14.
Arie
Königin:
Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen,
Tod und Verzweiflung flammet um mich her!
Fühlt nicht durch dich Sarastro Todesschmerzen,
So bist du meine Tochter nimmermehr.
Verstoßen sei auf ewig, verlassen sei
auf ewig.
Zertrümmert sei'n auf ewig alle Bande
der Natur,
Wenn nicht durch dich Sarastro wird erblassen!
Hört, Rachegötter, hört der
Mutter Schwur!
(Sie versinkt mitten in Donner und Blitz.)
Pamina
(mit dem Dolch in der Hand):
Morden soll ich? - Götter, das kann ich
nicht!
Götter, was soll ich tun?
Monostatos
(kommt schnell, heimlich und freudig):
Dich mir anvertrauen.
Pamina:
Ha!
Monostatos:
Warum zitterst du? Vor meiner schwarzen Farbe,
oder vor dem
ausgedachten Mord?
Pamina
(schüchtern):
Du weißt also? -
Monostatos:
Alles. - Du hast also nur einen Weg, dich
und deine Mutter zu retten.
Pamina:
Der wäre?
Monostatos:
Mich zu lieben! Ja oder nein?
Pamina
(entschlossen):
Nein!
Monostatos
(voll Zorn):
Nein? Liebe oder Tod!
Pamina
(entschlossen):
Nie!
(Sarastro
tritt auf.)
Monostatos
(erhebt den Dolch):
So fahre denn hin!
Sarastro
(hält ihn schnell ab):
Monostatos!
Monostatos:
Herr, man hat deinen Tod geschworen, darum
wollt' ich dich
rächen.
Sarastro:
Ich weiß nur allzuviel. Ich weiß,
daß deine Seele
ebenso schwarz als dein Gesicht ist. Geh!
Monostatos
(im Abgehen):
Jetzt such' ich die Mutter auf, weil mir die
Tochter nicht beschieden
ist.
(Geht ab.)
Pamina:
Herr, strafe meine Mutter nicht! Der Schmerz
über meine
Abwesenheit...
Sarastro:
Ich weiß alles. - Weiß, daß
sie in unterirdischen
Gemächern des Tempels herumirrt und Rache
über mich und die
Menschheit kocht; allein, du sollst sehen,
wie ich mich an deiner
Mutter räche.
15.
Arie
Sarastro:
In diesen heil'gen Hallen
Kennt man die Rache nicht,
Und ist ein Mensch gefallen,
Führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundes Hand
Vergnügt und froh in's bess're Land.
In
diesen heil'gen Mauern,
Wo Mensch den Menschen liebt,
Kann kein Verräter lauern,
Weil man dem Feind vergibt.
Wen solche Lehren nicht erfreun,
Verdienet nicht ein Mensch zu sein.
(Gehen beide ab.)
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Scene 4
Das
Theater verwandelt sich in eine Halle, wo das Flugwerk gehen
kann. Das Flugwerk ist mit Rosen und Blumen umgeben,
wo sich sodann
eine Türe öffnet. Ganz vorne sind zwei
Rasenbänke.
(Tamino
und Papageno werden ohne Säcke von den zwei
Priestern hereingeführt.)
Dialog
Sprecher:
Hier seid ihr euch beide allein überlassen.
Sobald die Posaune
tönt, dann nehmt ihr euren Weg dahin.
Prinz, lebt wohl! Noch
einmal, vergeßt das Wort nicht: Schweigen.
(Geht ab.)
Zweiter
Priester:
Papageno, wer an diesem Ort sein Stillschweigen
bricht, den strafen
die Götter durch Donner und Blitz. Leb
wohl!
(Geht ab.)
(Tamino
setzt sich auf eine Rasenbank.)
Papageno
(nach einer Pause):
Tamino!
Tamino
(verweisend):
St!
Papageno:
Das ist ein lustiges Leben! Wär' ich
lieber in meiner
Strohhütte, oder im Wald, da hör
ich doch noch manchmal
einen Vogel pfeifen.
Tamino
(verweisend):
St!
Papageno:
Also, mit mir selber werd ich ja vielleicht
noch reden dürfen;
und auch wir zwei, wir können miteinander
sprechen, wir sind ja
Männer. La la la-la la la!
Tamino
(verweisend):
St!
Papageno
(pfeift):
Nicht einmal einen Tropfen Wasser bekommt
man bei diesen Leuten; viel
weniger sonst was.
(Ein
altes häßliches Weib kommt aus der Versenkung,
hält auf einer Tasse einen großen Becher
Wasser.)
Papageno
(sieht sie lang an):
Ist das für mich?
Altes
Weib:
Ja, mein Engel!
Papageno
(sieht sie wieder an, trinkt):
Wasser! Nicht mehr und nicht weniger als Wasser.
- Sag du mir, du
unbekannte Schöne, werden alle fremden
Gäste auf diese Art
bewirtet?
Altes
Weib:
Freilich, mein Engel!
Papageno:
So, so! - Auf diese Art werden die Fremden
auch nicht gar zu
häufig kommen.
Altes
Weib:
Sehr wenig.
Papageno:
Das kann ich mir denken. Geh, komm, Alte,
setze dich ein bisser! her
zu mir, mir ist die Zeit verdammt lang. Sag
du mir, wie alt bist denn
du?
Altes
Weib:
Wie alt?
Papageno:
Ja!
Altes
Weib:
Achtzehn Jahr und zwei Minuten.
Papageno:
Achtzig Jahr?
Altes
Weib:
Achtzehn Jahr und zwei Minuten.
Papageno:
Achtzehn Jahr und zwei Minuten?
Altes
Weib:
Ja!
Papageno:
Ha ha ha! - Ei, du junger Engel! Sag mal,
hast du auch einen
Geliebten?
Altes
Weib:
Ei, freilich, mein Engel!
Papageno:
Ist er auch so jung wie du?
Altes Weib:
Nicht gar, er ist um zehn Jahre älter.
Papageno:
Was, um zehn Jahre ist der noch älter
als du? Das muß
ja eine feurige Liebe sein! Und wie nennt
sich denn dein Liebhaber?
Altes
Weib:
Papageno!
Papageno:
Papageno? Wo ist er denn, dieser Papageno?
Altes
Weib:
Da sitzt er, mein Engel!
Papageno:
Was, ich wär dein Geliebter?
Altes
Weib:
Ja, mein Engel!
Papageno
(nimmt schnell das Wasser und spritzt sie ins
Gesicht):
Sag du mir, wie heißt du denn?
Altes
Weib:
Ich heiße -
(Die Alte hint schnell ab)
Papageno:
Oh!
(Tamino steht auf, droht ihm mit dem Finger.)
Nun sprech' ich aber kein Wort mehr!
(Die
Drei Knaben kommen in einem mit Rosen bedeckten
Flugwerk. In der Mitte steht ein schön gedeckter
Tisch. Der eine
hat die Flöte, der andere das Kätschen
mit
Glöckchen.)
16.
Terzett
Drei
Knaben:
Seid uns zum zweitenmal willkommen,
Ihr Männer, in Sarastros Reich,
Er schickt, was man euch abgenommen,
Die Flöte und die Glöckchen euch.
Wollt ihr die Speisen nicht verschmähen,
So esset, trinket froh davon.
Wenn wir zum drittenmal uns sehen,
Ist Freude eures Mutes Lohn.
Tamino, Mut! Nah ist das Ziel.
Du, Papageno, schweige still!
(Unter dem Terzett setzen sie den Tisch in die Mitte
und fliegen
auf.)
Dialog
Papageno:
Tamino, wollen wir nicht speisen?
(Tamino bläst uaf seiner Flöte)
Blase du nur fort auf deiner Flöte, ich
will meine Brocken
blasen. Herr Sarastro führt eine gute
Küche. Auf die Art,
ja, da will ich schon schweigen, wenn ich
immer solche gute Bissen
bekomme. Nun, ich will sehen, ob auch der
Keller so gut bestellt ist.
(Er trinkt.)
Ha! Das ist Götterwein!
(Die Flöte schweigt.)
Pamina
(freudig eintretend):
Du hier? Gütige Götter! Dank euch!
Ich hörte
deine Flöte - und so lief ich pfeilschnell
dem Tone nach.
Aber du bist traurig? Sprichst nicht eine
Silbe mit deiner
Tamino
(seufzt)
Ah!
(Winkt ihr fortzugehen.)
Pamina:
Ich soll dich meiden? Ich soll dich fliehen,
ohne zu wissen, warum?
Tamino, liebst du mich nicht mehr? - Papageno,
sage du mir, sag, was
ist meinem Freund?
(Papageno
hat einen Brocken in dem Mund, hält mit
beiden Händen die Speisen zu, winkt fortzugehen.)
Pamina:
Wie? Auch du schweigst? O, das ist mehr als
Tod! Liebster, einziger
Tamino!
17.
Arie
Pamina:
Ach, ich fühl's, es ist verschwunden,
Ewig hin der Liebe Glück!
Nimmer kommt ihr Wonnestunden
Meinem Herzen mehr zurück!
Sieh', Tamino, diese Tränen,
Fließen, Trauter, dir allein!
Fühlst du nicht der Liebe Sehnen,
So wird Ruh' im Tode sein!
(Sie geht traurig ab.)
Papageno
(ißt hastig):
Nicht wahr, Tamino, ich kann auch schweigen,
wenn's sein muß. -
Ja; bei so einem Unternehmen, da bin ich ein
Mann.
(Er trinkt.)
Der Koch und der Kellermeister sollen leben.
(Dreimaliger Posaunenton. Tamino winkt Papageno,
daß
er gehen soll.)
Geh du nur voraus, ich komm dann schon nach.
(Tamino will ihn mit Gewalt fortführen.)
Nein! Der Stärkere bleibt da!
(dreimaliger Posaunenton)
Aha, das geht uns an.
(ruft)
Wir kommen schon. - Aber hör mal, Tamino,
was wird denn noch
alles mit uns werden?
(Tamino deutet gen Himmel.)
Ach, du meinst, die Götter soll ich fragen?
(Tamino deutet ja.)
Ja, die könnten uns freilich mehr sagen,
als wir wissen!
(Dreimaliger Posaunenton. Tamino reißt ihn
mit Gewalt
fort.)
Wile nur nicht so, wir kommen noch immer zeitlich
genug, um uns
braten zu lassen.
(Ab.)
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Scene 5
Das
Theater verwandelt sich in das Gewölbe von Pyramiden.
(Der
Sprecher und einige Priester treten auf. Zwei Priester
tragen eine erleuchtete Pyramide auf den Schultern;
jeder Priester hat
eine transparente Pyramide in der Größe
einer Laterne in
der Hand. Achtzehn Priester in Form eines Dreiecks
zu je 6
aufgestellt.)
18.
Chor
Chor
der Priester:
O Isis und Osiris, welche Wonne!
Die düst're Nacht verscheucht der Glanz
der Sonne.
Bald fühlt der edle Jüngling neues
Leben:
Bald ist er unserm Dienste ganz ergeben.
Sein Geist ist kühn, sein Herz ist rein,
Bald wird er unser würdig sein.
(Tamino wird hereingeführt.)
Dialog
Sarastro:
Prinz, dein Betragen war bis hierher männlich
und gelassen; nun
hast du noch zwei gefährliche Wege zu
wandern. Schlägt dein
Herz noch ebenso warm für Pamina, und
wünschest du einst
als ein weiser Fürst zu regieren, so
mögen die Götter
dich ferner begleiten. - Deine Hand. - Man
bringe Pamina!
(Eine Stille herrscht bei allen Priestern; Pamina
wird mit
eben diesem Sack, welcher die Eingeweihten bedeckt,
hereingeführt; Sarastro löst die Bande
am Sacke
auf.)
Pamina:
Wo bin ich? - Welch eine fürchterliche
Stille! - Wo ist Tamino?
Sarastro:
Er wartet deiner, um dir das letzte Lebewohl
zu sagen.
Pamina:
Das letzte Lebewohl? O wo ist er?
Sarastro:
Hier!
Pamina:
Tamino!
Tamino:
Zurück!
19.
Terzett
Pamina:
Soll ich dich, Teurer, nicht mehr seh'n?
Sarastro:
Ihr werdet froh euch wiedersehn!
Pamina:
Dein warten tödliche Gefahren!
Tamino:
Die Götter mögen mich bewahren!
Pamina:
Dein warten tödliche Gefahren!
Tamino,
Sarastro:
Die Götter mögen mich/ihn bewahren!
Pamina:
Du wirst dem Tode nicht entgehen,
Mir flüstert dieses Ahnung ein.
Tamino,
Sarastro:
Der Götter Wille mag geschehen,
Ihr Wink soll mir/ihm Gesetze sein!
Pamina:
O liebtest du, wie ich dich liebe,
Du würdest nicht so ruhig sein.
Tamino,
Sarastro:
Glaub mir, ich/er fühle/fühlet gleiche
Triebe,
Werd'/Wird ewig dein Getreuer sein.
Sarastro:
Die Stunde schlägt, nun müßt
ihr scheiden!
Pamina,
Tamino:
Wie bitter sind der Trennung Leiden!
Sarastro:
Tamino muß nun wieder fort.
Tamino:
Pamina, ich muß wirklich fort!
Pamina:
Tamino muß nun wirklich fort?
Sarastro:
Nun muß er fort!
Tamino:
Nun muß ich fort.
Pamina:
So mußt du fort!
Tamino:
Pamina, lebe wohl!
Pamina:
Tamino, lebe wohl!
Sarastro:
Nun eile fort. Dich ruft dein Wort.
Die Stunde schlägt, wir sehn uns wieder!
Tamino,
Pamina:
Ach, gold'ne Ruhe, kehre wieder!
Lebe wohl! Lebe wohl!
(Entfernen sich)
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Scene 6
Das
Theater verwandelt sich in einen Saal mit vielen Türen.
Dialog
Papageno (von aussen):
Tamino! Tamino! Willst du mich denn gänzlich
verlassen?
(Er sucht herein.)
Wenn ich nur wenigstens wüßte,
wo ich wäre. - Tamino!
Tamino, solang ich lebe, geh' ich nicht mehr
von dir! Aber dies
einmal verlaß mich armen Reisegefährten
nicht!
(Er kommt an die Türe, wo Tamino abgeführt
worden ist.)
Eine
Stimme (ruft):
Zurück!
Papageno:
Barmherzige Götter! Wo wend' ich mich
hin! Wenn ich nur
wüßte, wo ich hereinkam. Tamino!
(Er kommt an die Türe, wo er hereinkam)
Die
Stimme:
Zurück!
Papageno:
Nun kann ich weder vorwärts noch zurück!
(weint)
Und muß am Ende gar verhungern. -
Geschieht mir schon recht! - Warum bin ich
denn auch mitgereist?
(Der
Sprecher tritt ihm entgegen)
Sprecher:
Mensch! Du hättest verdient, auf immer
in finsteren Klüften
der Erde zu wandern; die gütigen Götter
aber entlassen dich
der Strafe dich. Dafür aber wirst du
das himmlische
Vergnügen der Eingeweihten nie fühlen.
Papageno:
Je nun, es gibt ja noch andere Leute meinesgleichen!
- Mir wäre
jetzt ein gutes Glas Wein das größte
Vergnügen.
Der
Sprecher:
Sonst hast du keinen Wunsch in dieser Welt?
Papageno:
Bis jetzt nicht.
Der
Sprecher:
Man wird dich damit bedienen!
(Ab.
Sogleich kommt ein großer Becher, mit rotem Weln
angefüllt, aus der Erde.)
Papageno:
Ach! Da ist er ja schon!
(trinkt)
Herrlich! Himmlisch! Göttlich! - Ha!
Ich bin jetzt so
vergnügt, daß ich bis zur Sonne
fliegen könnte, wenn
ich Flügel hätte! Ha! Mir wird so
wunderlich ums Herz! Ich
möchte - ich wünschte - ja, was
denn?
20.
Arie
Papageno
(schlägt sein Glockenspiel):
Ein Mädchen oder Weibchen
Wünscht Papageno sich!
O so ein sanftes Täubchen
Wär' Seligkeit für mich!
Dann
schmeckte mir Trinken und Essen,
Dann könnt' ich mit Fürsten mich
messen,
Des Lebens als Weiser mich freun,
Und wie im Elysium sein!
Ein
Mädchen oder Weibchen
Wünscht Papageno sich!
O so ein sanftes Täubchen
Wär' Seligkeit für mich!
Ach,
kann ich denn keiner von allen
Den reizenden Mädchen gefallen?
Helf' eine mir nur aus der Not,
Sonst gräm' ich mich wahrlich zu Tod!
Ein
Mädchen oder Weibchen
Wünscht Papageno sich!
O so ein sanftes Täubchen
Wär' Seligkeit für mich!
Wird
keine mir Liebe gewähren,
So muß mich die Flamme verzehren!
Doch küßt mich ein weiblicher Mund,
So bin ich schon wieder gesund!
(Die
Alte, tanzend und auf ihren Stock dabei sich
stützend, kommt herein.)
Dialog
Altes
Wbib:
Da bin ich schon, mein Engel!
Papageno:
Was, du hast dich meiner erbarmt?
Altes
Wbib:
Ja, mein Engel!
Papageno:
Na, das ist ein Glück!
Altes
Wbib:
Und wenn du mir versprichst, mir ewig treu
zu bleiben, dann sollst du
sehen, wie zärtlich dein Weibchen dich
lieben wird.
Papageno:
Ei, du zärtliches Närrchen!
Altes
Weib:
O. wie will ich dich umarmen, dich liebkosen,
dich an mein Herz
drücken!
Papageno:
Auch ans Herz drücken?
Altes
Weib:
Komm, reich mir zum Pfand unsers Bundes deine
Hand!
Papageno:
Nur nicht so hastig, mein lieber Engel! So
ein Bündnis braucht
doch auch seine Überlegung.
Altes
Weib:
Papageno, ich rate dir, zaudre nicht! - Deine
Hand, oder du bist auf
immer hier eingekerkert.
Papageno:
Eingekerkert?
Altes
Weib:
Wasser und Brot wird deine tägliche Kost
sein. Ohne Freund, ohne
Freundin mußt du leben, und der Welt
auf immer entsagen.
Papageno:
Wasser trinken? Der Welt entsagen? Nein, da
will ich doch lieber eine
Alte nehmen, als gar keine. - Also gut, da
hast du meine Hand mit der
Versicherung, daß ich dir immer getreu
bleibe.
(für sich)
solang ich keine Schönere sehe.
Altes
Weib:
Das schwörst du?
Papageno:
Ja, das schwör' ich!
(Das
Weib verwandelt sich in ein junges Weib, welches ebenso
gekleidet ist, wie Papageno).
Papagena:
Papageno!
Papageno:
Papagena! -
(Er will sie umarmen.)
Sprecher
(kommt und nimmt sie hastig bei der Hand):
Fort mit dir, junges Weib! Er ist deiner noch
nicht würdig!
Zurückl sag ich.
Papageno:
Was heißt, bitte...
Sprecher
(Er schleppt sie hinein, Papageno will ihr nach)
Zurück, sag ich! Oder zittre!
Papageno:
So ich mich zurückziehe, soll mich doch
die Erde verschlingen.
(Er sinkf hinab.)
Oh!
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Scene 7
Das
Theater verwandelt sich in einer kurzen Garten.
(Die
Drei Knaben fahren herunter.)
21.
Finale
Drei
Knaben:
Bald prangt, den Morgen zu verkünden,
Die Sonn auf goldner Bahn.
Bald soll der Aberglaube schwinden,
Bald siegt der weise Mann.
O holde Ruhe, steig' hernieder,
Kehr' in der Menschen Herzen wieder;
Dann ist die Erd' ein Himmelreich,
Und Sterbliche den Göttern gleich.
Erster
Knabe:
Doch seht, Verzweiflung quält Paminen!
Zweiter
Knabe, Dritter Knabe:
Wo ist sie denn?
Erster
Knabe:
Sie ist von Sinnen!
Drei
Knaben:
Sie quält verschmähter Liebe Leiden.
Laßt uns der Armen Trost bereiten!
Fürwahr, ihr Schicksal geht uns nah!
O wäre nur ihr Jüngling da!
Sie kommt, laßt uns beiseite gehn,
Damit wir, was sie mache, sehn.
(Sie gehen beiseite. Pamina kommt, halb wahnwitzig,
mit
einem Dolch in der Hand.)
Pamina
(zum Dolch):
Du also bist mein Bräutigam?
Durch dich vollend' ich meinen Gram.
Drei
Knaben (beiseite):
Welch dunkle Worte sprach sie da?
Die Arme ist dem Wahnsinn nah.
Pamina:
Geduld, mein Trauter, ich bin dein;
Bald werden wir vermählet sein.
Drei
Knaben:
Wahnsinn tobt ihr im Gehirne;
Selbstmord steht auf ihrer Stirne.
(zu Pamina)
Holdes Mädchen, sieh uns an!
Pamina:
Sterben will ich, weil der Mann,
Den ich nimmermehr kann hassen,
Sein Traute kann verlassen.
(auf den Dolch zeigend)
Dies gab meine Mutter mir.
Drei
Rnaben:
Selbstmord strafet Gott an dir!
Pamina:
Lieber durch dies Eisen sterben,
Als durch Liebesgram verderben!
Mutter, durch dich leide ich,
Und dein Fluch verfolget mich!
Drei
Knabbn:
Mädchen, willst du mit uns gehn?
Pamina:
Ha, des Jammers Maß ist voll!
Falscher Jüngling, lebe wohl!
Sieh, Pamina, ach! stirbt durch dich,
Dieses Eisen töte mich!
(Sie
holt mit der Hand aus, um sich zu erstechen.)
Drei
Knaben (halten ihr den Arm):
Ha, Unglückliche, halt ein!
Sollte dies dein Jüngling sehen,
Würde er vor Gram vergehen;
Denn er liebet dich allein.
Pamina
(erholt sich):
Was? Er fühlte Gegenliebe,
Und verbarg mir seine Triebe,
Wandte sein Gesicht vor mir?
Warum sprach er nicht mit mir?
Drei
Knaben:
Dieses müßen wir verschweigen,
Doch wir wollen dir ihn zeigen!
Und du wirst mit Staunen sehn,
Daß er dir sein Herz geweiht,
Und den Tod für dich nicht scheut.
Komm, wir wollen zu ihm gehen.
Pamina:
Führt mich hin, ich möcht' ihn seh'n!
Alle:
Zwei Herzen, die von Liebe brennen,
Kann Menschenohnmacht niemals trennen.
Verloren ist der Feinde Müh',
Die Götter selbst schützen sie.
(Gehen alle ab.)
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Scene 8
Das
Theater verwandelt sich in zwei große Berge; in dem einen
ein Wasserfall, worin man Sausen und Brausen hört;
der andere
speit Feuer aus; jeder Berg hat ein durchbrochenes
Gegitter, worin man
Feuer und Wasser sieht; da, wo das Feuer brennt,
muß der
Horizont hellrot sein, und wo das Wasser ist, liegt
schwarzer
Nebel. Die Szenen sind Felsen, jede Szene schließt
sich mit
einer eisernen Tür.
(Tamino
ist leicht angezogen, ohne Sandalen. Zwei schwarzgeharnischte
Männer führen Tamino herein. Auf
ihren Helmen brennt Feuer;
sie lesen ihm die transparente Schrift vor,
welche auf einer Pyramide
geschrieben steht, diese Pyramide steht in der Mitte
ganz in der
Höohe, nahe dem Gitter.)
Die
zwei Geharnischten:
Der, welcher wandert diese Straße voll
Beschwerden,
Wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden;
Wenn er des Todes Schrecken überwinden
kann,
Schwingt er sich aus der Erde himmelan.
Erleuchtet wird er dann im Stande sein,
Sich den Mysterien der Isis ganz zu weih'n.
Tamino:
Mich schreckt kein Tod, als Mann zu handeln,
Den Weg der Tugend fortzuwandeln.
Schließt mir die Schreckenspforten auf,
Ich wage froh den kühnen Lauf.
Pamina
(von innen):
Tamino, halt! Ich muß dich sehn.
Tamino:
Was hör ich? Paminens Stimme?
Die
Geharnischten:
Ja, ja, das ist Paminens Stimme.
Alle:
Wohl mir/dir, nun kann sie mit mir/dir geh'n,
Nun trennet uns/euch kein Schicksal mehr,
Wenn auch der Tod beschieden wär!
Tamino:
Ist mir erlaubt, mit ihr zu sprechen?
Die
Geharnischten:
Dir ist erlaubt, mit ihr zu sprechen.
Alle:
Welch Glück, wenn wir uns/euch wiederseh'n.
Froh Hand in Hand in Tempel geh'n!
Ein Weib, das Nacht und Tod nicht scheut,
Ist würdig und wird eingeweiht.
(Die
Tür wird aufgemacht; Tamino und Pamina
umarmen sich.)
Pamina:
Tamino mein! O welch ein Glück!
Tamino:
Pamina mein! O welch ein Glück!
Hier sind die Schreckenspforten,
Die Not und Tod mir dräu'n.
Pamina:
Ich werde aller Orten
An deiner Seite sein;
Ich selbsten führe dich,
Die Liebe leitet mich!
(Sie nimmt ihn bei der Hand.)
Sie mag den Weg mit Rosen streun,
Weil Rosen stets bei Dornen sein.
Spiel du die Zauberflöte an;
Sie schütze uns auf uns'rer Bahn.
Es schnitt in einer Zauberstunde
Mein Vater sie aus tiefstem Grunde
Der tausendjähr'gen Eiche aus,
Bei Blitz und Donner, Sturm und Braus.
Nun komm und spiel' die Flöte an,
Sie leite uns auf grauser Bahn.
Alle:
Wir wandeln (Ihr wandelt) durch des Tones
Macht
Froh durch des Todes düstre Nacht.
(Die
Türen werden nach ihnen zugeschlagen; man sieht
Tamino und Pamina wandern; man hört Feuergeprassel
und Windgeheul, manchmal auch den Ton dumpfen Donners
und
Wassergeräusch. Tamino bläst seine Flöte;
gedämpfte Pauken akkompagnieren manchmal darunter.
Sobald sie vom
Feuer herauskommen, umarmen sie sich und bleiben
in der Mitte.)
Pamina,
Tamino:
Wir wandelten durch Feuersgluten,
Bekämpften mutig die Gefahr.
Dein Ton sei Schutz in Wasserfluten,
So wie er es im Feuer war.
(Tamino
bläst; man sieht sie hinuntersteigen und nach
einiger Zeit wieder heraufkommen; sogleich öffnet
sich
eine Türe; man sieht einen Eingang in einen
Tempel, welcher hell
beleuchtet ist. Eine feierliche Stille. Dieser Anblick
muß den
vollkommensten Glanz darstellen. Sogleich fällt
der Chor mit
Pauken und Trompeten ein. Zuvor aber Tamino und
Pamina.)
Pamina,
Tamino:
Ihr Götter, welch ein Augenblick!
Gewähret ist uns Isis' Glück!
Chor
(von innen):
Triumph! Triumph! Du edles Paar!
Besieget hast du die Gefahr!
Der Isis Weihe ist nun dein!
Kommt, tretet in den Tempel ein!
(Alle ab.)
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Scene 9
Das
Theater verwandelt sich wieder in den vorigen Garten.
(Papageno
kommt, dann die drei Knaben, zuletzt
Papagena.)
Papageno:
Papagena! Papagena! Papagena!
Weibchen! Täubchen! meine Schöne!
Vergebens! Ach, sie ist verloren!
Ich bin zum Unglück schon geboren!
Ich plauderte - und das war schlecht,
Und drum geschieht es mir schon recht!
Seit ich gekostet diesen Wein,
Seit ich das schöne Weibchen sah,
So brennt's im Herzenskämmerlein,
So zwickt's hier, so zwickt's da.
Papagena! Herzensweibchen!
Papagena, liebes Täubchen!
's ist umsonst, es ist vergebens!
Müde bin ich meines Lebens!
Sterben macht der Lieb' ein End',
Wenn's im Herzen noch so brennt.
(Er den Strick von seiner Mitte)
Diesen Baum da will ich zieren,
Mir an ihm den Hals zuschnüren,
Weil das Leben mir mißfällt;
Gute Nacht, du falsche Welt.
Weil du böse an mir handelst,
Mir kein schönes Kind zubandelst,
So ist's aus, so sterbe ich;
Schöne Mädchen, denkt an mich,
- Will sich eine um mich Armen,
Eh' ich hänge, noch erbarmen,
Nun, so laß ich's diesmal sein!
Rufet nur, ja oder nein. -
(Sieht sich um.)
Keine hört mich; alles stille!
Also ist es euer Wille?
Papageno, frisch hinauf!
Ende deinen Lebenslauf!
(Sieht sich um.)
Nun, ich warte noch, es sei,
Bis man zählet: eins, zwei, drei.
(Pfeift.)
Eins!
(Sieht sich um, pfeift)
Zwei!
(Sieht sich um, pfeift)
Drei!
(Sieht sich um)
Nun, wohlan, es bleibt dabei,
Weil mich nichts zurücke hält,
Gute Nacht, du falsche Welt!
(Will sich hängen.)
Drei
Knaben (fahren herunter):
Halt ein, o Papageno! und sei klug,
Man lebt nur einmal, dies sei dir genug!
Papageno:
Ihr habt gut reden, habt gut scherzen;
Doch brennt' es euch, wie mich im Herzen,
Ihr würdet auch nach Mädchen gehn.
Drei
Knaben:
So lasse deine Glöckchen klingen,
Dies wird dein Weibchen zu dir bringen.
Papageno:
Ich Narr vergaß der Zauberdinge!
Erklinge, Glockenspiel, erklinge!
Ich muß mein liebes Mädchen seh'n.
Klinget, Glöckchen, klinget,
Schafft mein Mädchen her!
Klinget, Glöckchen, klinget!
Bringt mein Weibchen her.
(Unter
diesem Schlagen laufen die Drei Knaben zu ihrem
Flugwerk und bringen das Weib heraus.)
Drei
Knaben:
Nun, Papageno, sieh dich um!
(Papageno
sieht sich um; beide haben unter dem Ritornell
komisches Spiel.)
Papageno:
Pa-pa-pa-pa-pa-pa-Papagena!
Papagena:
Pa-pa-pa-pa-pa-pa-Papageno!
Papageno:
Bist du mir nun ganz gegeben?
Papagena:
Nun, bin ich dir ganz gegeben!
Papageno:
Nun, so sei mein liebes Weibchen!
Papagena:
Nun, so sei mein Herzenstäubchen!
Beide:
Welche Freude wird das sein,
Wenn die Götter uns bedenken,
Unsrer Liebe Kinder schenken,
So liebe, kleine Kinderlein!
Papageno:
Erst einen kleinen Papageno-
Papagena:
Dann eine kleine Papagena-
Papageno:
Dann wieder einen Papageno-
Papagena:
Dann wieder eine Papagena-
Papageno:
Papageno!
Papagena:
Papagena!
Papageno:
Es ist das höchste der Gefühle,
Wenn viele, viele Papageno,
Der Eltern Segen werden sein.
Papagena:
Es ist das höchste der Gefühle,
Wenn viele, viele Papagena,
Der Eltern Segen werden sein.
(Sie gehen ab.)
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Scene 10
(Monostatos
kommt. Die Königin und die Drei Damen
kommen von beiden Versenkungen; sie tragen schwarze
Fackeln in der
Hand.)
Monostatos:
Nur stille, stille, stille,
Bald dringen wir im Tempel ein.
Alle:
Nur stille, stille, stille,
Bald dringen wir im Tempel ein.
Monostatos:
Doch, Fürstin, halte Wort!
Erfülle - dein Kind muß meine Gattin
sein.
Königin:
Ich halte Wort; es ist mein Wille,
Mein Kind soll deine Gattin sein.
Drei
Damen:
Ihr Kind soll deine Gattin sein.
(Man
hört dumpfen Donner, Geräusch von Wasser.)
Monostatos:
Doch still, ich höre schrecklich Rauschen,
Wie Donnerton und Wasserfall.
Königin,
die Damen:
Ja, fürchterlich ist dieses Rauschen,
Wie fernen Donners Widerhall!
Monostatos:
Nun sind sie in des Tempels Hallen.
Alle:
Dort wollen wir sie überfallen -
die Frömmler tilgen von der Erd'
Mit Feuersglut und mächt'gem Schwert.
Drei Damen, Monostatos:
Dir, große Königin der Nacht,
sei uns'rer Rache Opfer gebracht.
(Man
hört der stärksten Akkord, Donner, Blitz,
Sturm.)
Alle:
Zerschmettert, zernichtet ist unsere Macht,
Wir alle gestürzt in ewige Nacht!
(Sie
versinken. Sogleich verwandelt sich das ganze Theater in eine
Sonne. Sarastro steht erhöht; Tamino,
Pamina, beide in priesterlicher Kleidung. Neben
ihnen die
ägyptischen Priester auf beiden Seiten. Die
Drei Knaben
halten Blumen.)
Sarastro:
Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht,
Zernichten der Heuchler erschlichene Macht.
Chor:
Heil sei euch Geweihten!
Ihr dränget durch Nacht.
Dank sei dir, Osiris,
Dank dir, Isis, gebracht!
Es siegte die Stärke
Und krönet zum Lohn
Die Schönheit und Weisheit
Mit ewiger Kron'.
Ende
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